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PHYTOTHERAPIE
Die
Kräuterheilkunde entwickelte sich über
Jahrhunderte aus dem Erfahrungsschatz unserer Vorfahren. Die
ältesten historischen
Aufzeichnungen über Heilpflanzen sind 6.000 Jahre alt und in
Keilschrift
erhalten. Sie wurden am Persischen Golf auf Tontafeln gefunden. Das
Wort
"Phyto" stammt aus dem Griechischen und bedeutet "Pflanze"
Ich
verwende vor allem einheimische Pflanzen in
meiner Praxis. Die Vorteile westlicher Pflanzen sind, dass sie uns
Europäer
vertrauter und dadurch auch bekömmlicher und an unsere
klimatischen Bedingungen
angepasst sind. Die eigentliche Stärke von
Heilpflanzen liegt in der
Verwendung der ursprünglichen Stoffgemische, die lediglich von
störenden
Substanzen befreit und auf wichtige Wirkstoffe standardisiert sein
müssen. Als
natürliche Extrakte wirken Heilpflanzen breit und auf am
besten verträgliche
Weise.
Die
Pflanzenheilkunde basiert sowohl auf der
traditionellen Medizin mit Erfahrungswerten, überliefertem
Wissen und
Traditionen als auch auf Zulassungsverfahren entweder auf Basis
pharmakologisch-toxischer oder klinischer
Studien. In der EU müssen
pflanzliche Fertigarzneimittel grundsätzlich, wie andere
Fertigarzneimittel
auch, gemäß den Bestimmungen des Arzneimittelrechts
vor der Vermarktung
behördlich zugelassen werden. Dazu sind Qualität,
Wirksamkeit und
Unbedenklichkeit nachzuweisen. Unter die qualitativ hochwertigste
Gruppe der
Pflanzenheilmittel fallen die sog. rationalen Phytopharmaka, diese sind
alle
erst nach dem 2. Arzneimittelgesetz (1976) zugelassen. Die Wirksamkeit
und
Unbedenklichkeit muss dabei durch Studien, die bestimmten Kriterien
genügen
müssen, eindeutig nachgewiesen sein. Die traditionell
angewendeten Phytopharmaka
wurden vor dem 2. Arzneimittelgesetz auf den Markt gebracht. Es musste
dazu
kein Wirksamkeitsnachweis erbracht, sondern nur die Unbedenklichkeit
nachgewiesen werden. Ihre Wirkung könnte schwächer
sein oder noch in keiner
Studie getestet.
Grundlage der Kräuterheilkunde ist die Zuordnung
von Pflanzen und Inhaltsstoffen zu spezifischen Krankheitsbildern.
Beispielsweise werden Glykosiden sowie den Ätherischen Ölen ein sehr breites
Wirkspektrum zugeschrieben. Erfahrungsgemäß wirken Alkaloide positiv auf das
Zentrale Nervensystem, Gerbstoffe entzündungshemmend. Die
enthaltenen Stoffe Ephedrin und Pseudoephedrin wirken im Hirn zentral
stimulierend, erweiternd auf die Bronchien (bronchodilatatorisch),
gefäßverengend (vasokonstriktorisch, d.h. sie heben den Blutdruck an), sie
erhöhen die Konzentrationsfähigkeit und unterdrücken Erschöpfung, Hunger und
Schmerzen. Pflanzen werden auch als
unterstützende („komplementäre“) Therapeutika eingesetzt. Darunter fällt die
Verwendung bestimmter Pflanzen, wie etwa der Mistel, in der alternativen
Krebstherapie.
In
der Pflanzenheilkunde kommen grundsätzlich nur
ganze Pflanzen oder Pflanzenteile (Blüten, Blätter,
Samen, Rinden, Wurzeln),
jedoch keine isolierten Einzelstoffe zur Anwendung. Diese
Pflanzenteile
werden für die Zubereitung, z.B. Tees,
Extrakte, Tinkturen,
Aufgüsse, Wickel, Packungen oder Auflagen und
Fertigarzneimittel, verwendet.
Auch
nach medizinischer Erfahrung sind
Phytotherapeutika sichere, preisgünstige und wirksame
Arzneimittel, die für
viele Einsatzgebiete den Synthetika überlegen sind. Nur in der
Notfallmedizin
und bei schweren Erkrankungen mit drohenden oder bleibenden
Organschäden sind
synthetische Arzneimittel oft besser.
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